{"id":1221,"date":"2020-07-29T01:08:58","date_gmt":"2020-07-28T23:08:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/?page_id=1221"},"modified":"2020-08-02T15:30:16","modified_gmt":"2020-08-02T13:30:16","slug":"genetik","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/tonkanesen\/genetik\/","title":{"rendered":"Genetik"},"content":{"rendered":"\n<h3>Die besondere Genetik der Tonkinese<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leider ist die Tonkinese eine auf dem europ\u00e4ischen Festland immer noch sehr selten gesehene Rasse, w\u00e4hrend unsere britischen Nachbarn den Reiz dieser aussergew\u00f6hnlichen Rasse schon lange erkannt haben. Auch in Amerika z\u00e4hlt die Tonkinese inzwischen zu den beliebtesten Rassen und ist auf der Beliebtheitsskala unter die Top Ten vorgestossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sie in Kontinentaleuropa immer noch ein vergleichsweises Mauerbl\u00fcmchen-Dasein fristet, hat verschiedene Gr\u00fcnde; zum einen steht die Anerkennung durch die Fif\u00e9, den wichtigsten europ\u00e4ischen Katzendachverband noch aus; zum andern liest man auch immer wieder, die Tonkinese sei eine \"Hybride\", sei deshalb \"nicht rein zu z\u00fcchten\" und \"wenn man zwei Tonkinesen miteinander verpaare, dann g\u00e4be es im Wurf auch immer wieder Siam- und Burmakitten\". Obwohl solche Aussagen nicht zur komplett irref\u00fchrend, sondern schlicht und einfach falsch sind, so halten sie sich doch mit einer schier unglaublichen Hartn\u00e4ckigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde im folgenden Versuchen, die Genetik der Tonkinese zu erl\u00e4utern und aufzuzeigen, worin die Besonderheit liegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grundwissen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie der Mensch hat die Katze sch\u00e4tzungsweise 50'000 Gene, allerdings auf 38 Chromosome verteilt, w\u00e4hrend es beim Menschen 46 Chromosomen sind. Dieser sogenannte diploide (doppelte) Chromosomensatz wird durch die Meiose (Reduktionsteilung) halbiert, so dass die Geschlechtszellen (Ei und Samenzelle, auch Gameten genannt), jeweils nur den einfachen (haploiden) Chromosomensatz enthalten. Kommen nun Ei und Samen zusammen, ergibt sich daraus wieder der doppelte Chromosomensatz. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Anzahl der Chromosomen in jeder Generation konstant bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Katze einen diploiden Chromosomensatz hat, gibt es f\u00fcr jede Merkmalsauspr\u00e4gung (Ph\u00e4notyp) zwei Anlagen (Gene), eine auf jedem Chromosomensatz. Merkmale k\u00f6nnen verschiedene Formen haben, welche man als Allele bezeichnet. Dominante Merkmale werden mit einem Grossbuchstaben bezeichnet, rezessive Merkmale mit einem Kleinbuchstaben. Sind die beiden Allele f\u00fcr ein Gen gleich, so nennt man sie homozygot, sind sie verschieden, so sind sie heterozygot (mischerbig). Individuen, die bez\u00fcglich eines Merkmals mischerbig (heterozygot) sind, werden auch als Hybride bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Allele der Albino-Serie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die einzigartige F\u00e4rbung der Tonkinese ist ein einziges Gen mit seinen verschiedenen Auspr\u00e4gungen (Allelen) verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>C-: Vollfarbe, dominant, bewirkt eine Vollpigmentierung der K\u00f6rperfarbe (Schwarz, Blau, Chocolate, Lilac usw.)<\/p>\n\n\n\n<p>cs: Siam-F\u00e4rbung (colored siamese), rezessiv gegen\u00fcber C, co-dominant zu cb, bewirkt eine starke Aufhellung der K\u00f6rperfarbe, nur die \"kalten\" K\u00f6rperspitzen sind gef\u00e4rbt<\/p>\n\n\n\n<p>cb: Burma-F\u00e4rbung (colored burmese), rezessiv gegen\u00fcber C, co-dominant zu cs, bewirkt eine leichte Aufhellung der K\u00f6rperfarbe, die Maskenzeichnung ist vor allem bei Chocolate Burmesen gut sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausserdem gibt es noch<\/p>\n\n\n\n<p>ca: blaue-Augen-Albino-Gen: rezessiv gegen\u00fcber C, cs, cb; in homozygoter Form bewirkt es eine rein weisse Katzen mit blauen Augen<\/p>\n\n\n\n<p>c: Albino-Gen: rezessiv gegen\u00fcber allen andern Allelen der Albino-Serie; in homozygoter Form bewirkt es Albinos (weisse Katzen mit pinkfarbenen Augen).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der dominant \u2013 rezessive Erbgang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man eine Siam x Siam verpaart, dann fallen nur Siamesen, dasselbe gilt auch wenn man Burma x Burma verpaart. Das l\u00e4sst sich daraus erkl\u00e4ren, dass sowohl das Gen f\u00fcr die Siamf\u00e4rbung (cs) wie auch das Gen f\u00fcr die Burmaf\u00e4rbung (cb) rezessiv ist. Damit eine Katze diese Merkmale im Ph\u00e4notyp aufweisst, muss sie im Genotyp homozygot, d.h. reinerbig sein (cs\/cs oder cb\/cb).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man eine Siam x Orientalisch Kurzhaar verpaart (die reinerbig ist, also (C\/C)), dann fallen nur Orientalisch Kurzhaark\u00e4tzchen, da das Gen f\u00fcr Vollfarbe (C) dominant ist. Alle K\u00e4tzchen sind mischerbig (C\/cs) und gleichen dem dominanten Elternteil. Dies ist das 1. Mendelsche Gesetz oder&nbsp;<em>Uniformit\u00e4tsgesetz<\/em>, welches besagt, dass die Nachkommen (F1 Generation) reinerbiger Eltern unter sich alle gleich sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Verpaart man dann zwei solche mischerbigen Orientalisch Kurzhaar K\u00e4tzchen (C\/cs) miteinander, dann fallen sowohl Orientalisch Kurzhaar als auch Siamesen und zwar im Verh\u00e4ltnis 3:1 (drei Orientalisch Kurzhaar und eine Siamese). Ein Orientalisch Kurzhaar K\u00e4tzchen ist reinerbig (C\/C), zwei sind mischerbig (C\/cs) und das Siamk\u00e4tzchen ist auch reinerbig (cs\/cs).<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist das 2. Mendelsche Gesetz oder&nbsp;<em>Spaltungsgesetz<\/em>, das besagt, dass sich die Nachkommen der F1 Generation wie folgt aufspalten 1\/4 reinerbig OKH, 2\/4 mischerbig OKH, und 1\/4 reinerbig Siam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der \"intermedi\u00e4re\" oder unvollst\u00e4ndig dominante Erbgang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man eine Siam x Burma verpaart geschieht was anderes und zwar gleichen die Nachkommen&nbsp;nicht&nbsp;ihren Eltern, sondern sie stehen von der Farbauspr\u00e4gung her genau zwischen ihren Eltern. Dies l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass keins der Gene (cs) und (cb) gegen\u00fcber dem andern dominant ist. Man spricht hier von Co-Dominanz, d.h. beide Gene sind an der Merkmalsauspr\u00e4gung beteiligt und es entsteht eine Mischform die vom Aussehen her zwischen den beiden Eltern steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Tonkinesen sind also bez\u00fcglich des Kontrastes mischerbig. Wie wir oben gesehen haben, sind auch andere Katzenrassen bez\u00fcglich verschiedener Merkmale mischerbig. Die Besonderheit bei der Tonkinese ist, dass der Erbgang nicht dominant-rezessiv ist (wo das dominante Merkmal das rezessive \u00fcberdeckt) sondern intermedi\u00e4r (wo beide Merkmale gleich stark zur Auspr\u00e4gung kommen).<\/p>\n\n\n\n<p>Verpaart man nun zwei Tonkinesen im Mink Typ (cs\/cb) miteinander, so erh\u00e4lt man nach dem oben beschriebenen Spaltungsgesetz folgende Nachkommen: 1\/4 (cs\/cs) siamfarbig, 2\/4 (cs\/cb) mit mittlerem Kontrast und 1\/4 (cb\/cb) burmafarbig.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.messybeast.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/inheritance-colourpoint-918x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1287\"\/><\/a><figcaption>Vererbung des Maskenfaktors. Mit freundlicher Genehmigung von Sarah Hartwell<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">Die Originalgraphik findet sich auf der <a href=\"http:\/\/messybeast.com\/catarchive.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Katzenarchivseite<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.messybeast.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">messybeast.com<\/a><\/pre>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Nachkommen von Tonkinesen sind auch Tonkinesen; niemals Siamesen oder Burmesen. Pointed oder Solid Tonkinesen unterscheiden sich von Mink Tonkinesen in nur einem einzigen Merkmal. Alle andern Merkmale wie Fellqualit\u00e4t, Typ, Ohrengr\u00f6sse, Augenform, Charakter etc, sind bei Tonkinesen aller drei Farbvari\u00e4teten gleich. Die Genetik der Tonkinese ist also nur hinsichtlich des \"Maskenfaktors\" speziell, bez\u00fcglich der restlichen 49'999 Gene ist sie genauso \"rein\" zu z\u00fcchten wie alle andern Katzenrassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-verse\">R. Kleinert, W. Ruppert, F. X. Stratil: mentor Abiturhilfe. Biologie Oberstufe. Genetik: Steuerung und Vererbung von Merkmalen und Eigenschaften. M\u00fcnchen, 1998.<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die besondere Genetik der Tonkinese Einf\u00fchrung Leider ist die Tonkinese eine auf dem europ\u00e4ischen Festland immer noch sehr selten gesehene Rasse, w\u00e4hrend unsere britischen Nachbarn den Reiz dieser aussergew\u00f6hnlichen Rasse schon lange erkannt haben. 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