{"id":1407,"date":"2025-06-06T11:31:26","date_gmt":"2025-06-06T09:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/?page_id=1407"},"modified":"2025-06-06T11:31:26","modified_gmt":"2025-06-06T09:31:26","slug":"zwei-katzen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/zwei-katzen\/","title":{"rendered":"Zwei Katzen"},"content":{"rendered":"\n<h2>Warum zwei Katzen besser sind als eine<\/h2>\n\n\n\n<p>Immer wieder bekomme ich Anrufe von Leuten, die unbedingt eine Einzelkatze wollen, und es soll dann bitte sch\u00f6n ein Kitten sein. Dieser Tage blocke ich dann ziemlich schnell ab, aber fr\u00fcher habe ich immer versucht zu erkl\u00e4ren, dass Katzen entgegen der sich hartn\u00e4ckig haltenden, landl\u00e4ufigen Meinung soziale Tiere sind, die den Kontakt zu Artgenossen brauchen. Solange es sich um Freilauf-Katzen handelt, haben sie die M\u00f6glichkeit, Sozialkontakte ausserhalb des Hauses zu pflegen, aber immer mehr Katzen werden aus verschiedenen Gr\u00fcnden als reine Wohnungskatzen gehalten, und die haben dann keine Wahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich auf die verschiedenen Gr\u00fcnde eingehe, die mir genannt werden, warum es unbedingt eine Einzelkatze sein soll, m\u00f6chte ich auf die rechtliche Situation hinweisen. Einerseits schreibt das Tierschutzgesetz vor, dass sozialen Tierarten unbedingt ein Artgenosse zur Seite gestellt werden soll (<a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20080796\/index.html#a13\" target=\"_blank\">TSchV 455.1, Art. 13<\/a>), andererseits erlaubt es aber, dass bei Hund und Katze der Mensch den Artgenossen ersetzt (was er aber nat\u00fcrlich nicht kann). Gerade bei besonders sozialen Rassen, zu denen vor allem alle orientalischen Rassen wie Siamesen, Balinesen, Orientalisch Kurzhaar und Langhaar, Burmesen, Tonkanesen, Thai und Korat geh\u00f6ren ist meiner Erfahrung nach ein Artgenosse unbedingt erforderlich. Es muss dabei nicht unbedingt eine Katze der gleichen Rasse sein, doch sollte sie vom Charakter her passen, also auch verspielt, anh\u00e4nglich und intelligent sein. Nichts kann das gegenseitige Putzen, das gemeinsame Spiel und allgemein die soziale Interaktion zwischen Artgenossen ersetzen. Die Erkenntnis, dass es sich bei der Hauskatze um eine inh\u00e4rent soziale Spezies handelt, wird durch eine wachsende Anzahl von Studien untermauert. Verhaltensforscher kamen zum Schluss, dass solange Nahrung und Unterschlupf in ausreichendem Masse vorhanden sind, Katzen es bevorzugen in Kolonien zu leben, wobei sich verwandte weibliche Katzen in Gruppen organisieren und sich oft sogar gegenseitig bei der Brutpflege unterst\u00fctzen. Der Mythos der Hauskatze als Einzelg\u00e4nger ist in den letzten Jahrzehnten durch zahlreiche wissenschaftliche Studien widerlegt worden. F\u00fcr einen \u00dcberblick siehe <em>The Domestic Cat. The Biology of its Behaviour<\/em>, Hg. Dennis C. Turner und Patrick Bateson, Cambridge UP, New York 2014, 3. Ausgabe)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Argument, das ich immer zu h\u00f6ren bekomme, ist, dass die Vorg\u00e4ngerkatze ja auch eine Einzelkatze gewesen sei und gl\u00fccklich damit. Ich frage mich dann immer, woher die Besitzer das wissen wollen; hat es die Katze ihnen gesagt? Nat\u00fcrlich nicht, aber sie schliessen es wahrscheinlich daraus, dass die Katze trotz fehlendem Sozialkontakt zu Artgenossen nicht verhaltensauff\u00e4llig geworden ist. Eins was ich in \u00fcber 30 Jahren Zusammenleben mit Katzen gelernt habe, ist, dass Katzen einerseits extrem anpassungsf\u00e4hig sind und sich somit sehr gut an die Gegebenheiten der Haltung anpassen k\u00f6nnen. Auch sind sie ausserordentlich leidensf\u00e4hig, und es bedarf schon sehr viel, dass Katzen ihr Leiden (sei es psychisch oder physisch) nach aussen zeigen. Wenn also eine Katze keine manifesten Symptome zeigt, heisst das noch lange nicht, dass sie nicht leidet. Oft gibt es aber durchaus Anzeichen, dass die Katze sich nicht hundertprozentig wohl f\u00fchlt: lautes, unerl\u00e4ssliches Miauen, Kratzen an unerw\u00fcnschten Stellen, im schlimmsten Fall sogar Unsauberkeit.<br>Es ist auch nachvollziehbar, dass Katzen, die \u00fcber sehr lange Zeit alleine gehalten wurden, sich zu Eigenbr\u00f6tlern entwickeln und nicht unbedingt erfreut sind, wenn ihnen nach Jahren erzwungener Einsamkeit pl\u00f6tzlich ohne Vorwarnung ein Artgenosse vor die Nase gesetzt wird. Aber auch nach Jahren ohne Katzengesellschaft freut sich die Mehrheit der Katzen \u00fcber einen Spielkumpel; man muss die Vergesellschaftung nur behutsam und vorsichtig angehen (siehe dazu meinen <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.tonkinese.ch\/22_Zusammenfuehrung-2.pdf\" target=\"_blank\">Artikel \u00fcber die Vergesellschaftung von Katzen<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img src=\"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Allegra-cat-wheel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1091\"\/><figcaption>Ein Katzenlaufrad (hier von Ferris) bietet Bewegung und Spass (photo: Allegra Loch)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Argument, welches mir oft genannt wird, ist Platzmangel. Meine Antwort ist dann immer: wo eine Katze Platz hat, haben auch zwei Katzen Platz. F\u00fcr ein Katzengehege\/einen Katzenraum schreibt die bereits zitierte Tierschutzverordnung (<a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20080796\/index.html#app12ahref1\" target=\"_blank\">Anhang 1, Tabelle 11<\/a>) eine Mindestfl\u00e4che von 7m2 f\u00fcr 1-4 Katzen vor (und zus\u00e4tzlich 1,7m2 f\u00fcr jede weitere Katze). Nat\u00fcrlich sind das Mindestanforderungen f\u00fcr Tierheime und z.B. einen separaten Katerraum. Je mehr Platz, desto besser, aber ich denke, Katzen k\u00f6nnen auch auf relativ beschr\u00e4nktem Raum (sogar einer Einzimmerwohnung) gl\u00fccklich sein, wenn sie auf Katzenbed\u00fcrfnisse ausgerichtet gestaltet ist. F\u00fcr mich versteht es sich von selbst, dass die Katzen in alle R\u00e4ume der Wohnung Zutritt haben. Auch kann der Raum f\u00fcr Katzen erweitert werden, wenn man verschiedene Ebenen miteinbezieht und vor allem in die H\u00f6he baut: hier bietet sich z.B. ein platzsparender Decken- und\/oder Wandkratzbaum an, eventuell zusammen mit einer Lauffl\u00e4che unter der Decke. Oder man bietet eine Aufstiegshilfe auf den Kleiderschrank, wohin sich die Katze zur\u00fcckziehen kann. Auch eine Schlafh\u00f6hle im B\u00fccherregal wird gerne angenommen, oder eine Heizungsh\u00e4ngematte. Vernetzt man dann noch den Balkon, ist die Katze nicht nur an der frischen Luft, sondern kann auch ihre Umgebung beobachten. Sogar wenn kein Balkon vorhanden ist, kann man relativ einfach einen entfernbaren Guckkasten f\u00fcr ein Fenster basteln und somit eine willkommene Aussichtsplattform zur Verf\u00fcgung stellen.<br>In Facebook-Gruppen wie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/427374634005774\/\" target=\"_blank\">Handwerkeln f\u00fcr Katzen<\/a> finden sich viele Anregungen und Anleitungen um die Wohnung f\u00fcr Katzen abwechslungsreich zu gestalten, auch mit einem bescheidenen Budget.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/cats_window-sill.jpg\"><img src=\"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/cats_window-sill-1024x683.jpg\" alt=\"Katzenfenster\" class=\"wp-image-1083\"\/><\/a><figcaption>Katzenfenster<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Eine weitere Entschuldigung, die oft ins Feld gef\u00fchrt wird, ist das fehlende Geld. Komischerweise geht es in der Regel um die vermeintlich hohen Anschaffungskosten einer Rassekatze und selten um die laufenden monatlichen Ausgaben, obwohl die, sogar wenn keine ausserplanm\u00e4ssigen Tierarztkosten anfallen, den Kaufpreis f\u00fcr eine Katze um ein Vielfaches \u00fcbersteigen. Wie eingangs bereits erw\u00e4hnt, m\u00fcssen es ja nicht unbedingt zwei Rassekatzen sein und wenn es nicht unbedingt zwei Kitten sein m\u00fcssen, suchen viele Z\u00fcchter auch ab und zu nach einem geeigneten Platz f\u00fcr ein erwachsenes Tier, sei dies f\u00fcr eine ehemalige Zuchtkatze oder weil es in der Zuchtgruppe zu Streitigkeiten kommt. Eine gute Kombi ist daher auch ein Kitten mit einer ehemaligen Zuchtkatze zu adoptieren. Was die monatlichen Ausgaben betrifft, so ist es wahr, zwei Katzen kosten mehr im Unterhalt als eine, jedoch l\u00e4ngst nicht das doppelte. Kratzbaum, Katzenm\u00f6bel und Spielsachen braucht man ja nicht doppelt. Bei befreundeten Katzen reicht auch ein etwas gr\u00f6sserer Transportkorb, was eh besser ist, da die Anwesenheit des Katzenkumpels Sicherheit verleiht und beruhigend wirkt. Vor allem beim Fressen spart man durch gr\u00f6ssere Verpackungsgr\u00f6ssen; dasselbe Futter kostet in der 400g Dose betr\u00e4chtlich weniger als in der 200g Dose (auf 100g gerechnet).<\/p>\n\n\n\n<p>Das n\u00e4chste Argument macht mich als langj\u00e4hrige Katzenhalterin besonders best\u00fcrzt: mehr als ein Kitten-Interessent hat mir schon gesagt \u00abich will, dass sich meine Katze mit mir besch\u00e4ftigt und nicht mit ihrem Katzenfreund\u00bb. Nicht nur ist diese Haltung ungeheuer egoistisch, sondern verr\u00e4t auch einen erschreckenden Mangel an Empathie gegen\u00fcber von Tieren im Allgemeinen und den Bed\u00fcrfnissen von Katzen im Besonderen. Bei der Haltung von Haustieren sollte es ja nicht (nur) um die Bed\u00fcrfnisse des Menschen gehen, sondern darum, wie man seinen vierbeinigen Mitbewohnern ein so artgerechtes Leben wie nur wie nur m\u00f6glich gestaltet, auch wenn man ihnen aufgrund von Gefahren (z.B. Verkehr) keinen Freigang gew\u00e4hren kann.<br>Ich kann den Wunsch nach einer schmusigen, anh\u00e4nglichen Katze durchaus verstehen, aber man kann eine Katze nicht dazu zwingen. Wenn man das gerne m\u00f6chte, dass sollte man sich eine menschenbezogene Rasse aussuchen, wie z.B. eine orientalische Rasse. Jeder Besitzer von zwei (oder gar mehrerer) Katzen einer orientalischen Rasse wird best\u00e4tigen, dass diese im Rudel genauso anh\u00e4nglich und menschenbezogen sind. Wohnt man mit solchen Katzen zusammen, ist man nie allein, denn sie wollen immer und \u00fcberall dabei sein: auf dem Klo, im Bad, beim Kochen, beim Betten machen, bei der Arbeit am Computer oder beim gem\u00fctlichen Fernsehabend: egal wo man gerade ist, wird man zumeist von mehreren Katzen regelrecht belagert. Wie absolut egoistisch muss man sein, um seiner Katze Gesellschaft von Artgenossen zu missg\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img src=\"http:\/\/www.tonkinese.ch\/nashiras\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Allegra-couch-potatoes.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1092\"\/><figcaption>Unter den Katzen ist ein Mensch versteckt (photo: Allegra Loch)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn es trotz allem eine Einzelkatze sein soll, dann bitte NIEMALS ein Kitten. In Tierheimen oder auf Vermittlungsseiten im Internet gibt es ab und zu erwachsene Katzen, die aufgrund (fehlender) Sozialisation, aufgrund der Herkunft oder wegen ihres Character mit Artgenossen unvertr\u00e4glich sind; dann sollte man unbedingt so einer Katze eine Chance geben. Aber bitte verdammen Sie kein sozial aufgeschlossenes, verspieltes, anh\u00e4ngliches Kitten zu einem Leben in Einsamkeit, sondern erfreuen Sie sich am Herz erw\u00e4rmenden Bild, wenn zwei (oder mehr) Katzen eng aneinandergekuschelt schlafen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum zwei Katzen besser sind als eine Immer wieder bekomme ich Anrufe von Leuten, die unbedingt eine Einzelkatze wollen, und es soll dann bitte sch\u00f6n ein Kitten sein. 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