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Die besondere Genetik der Tonkinese

Einführung

Leider ist die Tonkinese eine auf dem europäischen Festland immer noch sehr selten gesehene Rasse, während unsere britischen Nachbarn den Reiz dieser aussergewöhnlichen Rasse schon lange erkannt haben. Auch in Amerika zählt die Tonkinese inzwischen zu den beliebtesten Rassen und ist auf der Beliebtheitsskala unter die Top Ten vorgestossen.

Dass sie in Kontinentaleuropa immer noch ein vergleichsweises Mauerblümchen-Dasein fristet, hat verschiedene Gründe; zum einen steht die Anerkennung durch die Fifé, den wichtigsten europäischen Katzendachverband noch aus; zum andern liest man auch immer wieder, die Tonkinese sei eine "Hybride", sei deshalb "nicht rein zu züchten" und "wenn man zwei Tonkinesen miteinander verpaare, dann gäbe es im Wurf auch immer wieder Siam- und Burmakitten". Obwohl solche Aussagen nicht zur komplett irreführend, sondern schlicht und einfach falsch sind, so halten sie sich doch mit einer schier unglaublichen Hartnäckigkeit.

Ich werde im folgenden Versuchen, die Genetik der Tonkinese zu erläutern und aufzuzeigen, worin die Besonderheit liegt.

 

Grundwissen

Ähnlich wie der Mensch hat die Katze schätzungsweise 50'000 Gene, allerdings auf 38 Chromosome verteilt, während es beim Menschen 46 Chromosomen sind. Dieser sogenannte diploide (doppelte) Chromosomensatz wird durch die Meiose (Reduktionsteilung) halbiert, so dass die Geschlechtszellen (Ei und Samenzelle, auch Gameten genannt), jeweils nur den einfachen (haploiden) Chromosomensatz enthalten. Kommen nun Ei und Samen zusammen, ergibt sich daraus wieder der doppelte Chromosomensatz. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Anzahl der Chromosomen in jeder Generation konstant bleibt.

Da die Katze einen diploiden Chromosomensatz hat, gibt es für jede Merkmalsausprägung (Phänotyp) zwei Anlagen (Gene), eine auf jedem Chromosomensatz. Merkmale können verschiedene Formen haben, welche man als Allele bezeichnet. Dominante Merkmale werden mit einem Grossbuchstaben bezeichnet, rezessive Merkmale mit einem Kleinbuchstaben. Sind die beiden Allele für ein Gen gleich, so nennt man sie homozygot, sind sie verschieden, so sind sie heterozygot (mischerbig). Individuen, die bezüglich eines Merkmals mischerbig (heterozygot) sind, werden auch als Hybride bezeichnet.

 

Die Allele der Albino-Serie

Für die einzigartige Färbung der Tonkinese ist ein einziges Gen mit seinen verschiedenen Ausprägungen (Allelen) verantwortlich.

C-: Vollfarbe, dominant, bewirkt eine Vollpigmentierung der Körperfarbe (Schwarz, Blau, Chocolate, Lilac usw.)

cs: Siam-Färbung (colored siamese), rezessiv gegenüber C, co-dominant zu cb, bewirkt eine starke Aufhellung der Körperfarbe, nur die "kalten" Körperspitzen sind gefärbt

cb: Burma-Färbung (colored burmese), rezessiv gegenüber C, co-dominant zu cs, bewirkt eine leichte Aufhellung der Körperfarbe, die Maskenzeichnung ist vor allem bei Chocolate Burmesen gut sichtbar.

Ausserdem gibt es noch

ca: blaue-Augen-Albino-Gen: rezessiv gegenüber C, cs, cb; in homozygoter Form bewirkt es eine rein weisse Katzen mit blauen Augen

c: Albino-Gen: rezessiv gegenüber allen andern Allelen der Albino-Serie; in homozygoter Form bewirkt es Albinos (weisse Katzen mit pinkfarbenen Augen).

 

Der dominant – rezessive Erbgang

Wenn man eine Siam x Siam verpaart, dann fallen nur Siamesen, dasselbe gilt auch wenn man Burma x Burma verpaart. Das lässt sich daraus erklären, dass sowohl das Gen für die Siamfärbung (cs) wie auch das Gen für die Burmafärbung (cb) rezessiv ist. Damit eine Katze diese Merkmale im Phänotyp aufweisst, muss sie im Genotyp homozygot, d.h. reinerbig sein (cs/cs oder cb/cb).

Wenn man eine Siam x Orientalisch Kurzhaar verpaart (die reinerbig ist, also (C/C)), dann fallen nur Orientalisch Kurzhaarkätzchen, da das Gen für Vollfarbe (C) dominant ist. Alle Kätzchen sind mischerbig (C/cs) und gleichen dem dominanten Elternteil. Dies ist das 1. Mendelsche Gesetz oder Uniformitätsgesetz, welches besagt, dass die Nachkommen (F1 Generation) reinerbiger Eltern unter sich alle gleich sind. Oder anders herum: verpaart man zwei Katzen, die sich in einem Merkmal unterscheiden und bekommt man dann Kitten, die bezüglich dieses Merkmales alle gleich sind, dann bedeutet das, dass beide Eltern für das Merkmal reinerbig sind.

Verpaart man dann zwei solche mischerbigen Orientalisch Kurzhaar Kätzchen (C/cs) miteinander, dann fallen sowohl Orientalisch Kurzhaar als auch Siamesen und zwar im Verhältnis 3:1 (drei Orientalisch Kurzhaar und eine Siamese). Ein Orientalisch Kurzhaar Kätzchen ist reinerbig (C/C), zwei sind mischerbig (C/cs) und das Siamkätzchen ist auch reinerbig (cs/cs).

Dies ist das 2. Mendelsche Gesetz oder Spaltungsgesetz, das besagt, dass sich die Nachkommen der F1 Generation wie folgt aufspalten 1/4 reinerbig OKH, 2/4 mischerbig OKH, und 1/4 reinerbig Siam.

 

Der "intermediäre" oder unvollständig dominante Erbgang

Wenn man eine Siam x Burma verpaart geschieht was anderes und zwar gleichen die Nachkommen nicht ihren Eltern, sondern sie stehen von der Farbausprägung her genau zwischen ihren Eltern. Dies lässt sich damit erklären, dass keins der Gene (cs) und (cb) gegenüber dem andern dominant ist. Man spricht hier von Co-Dominanz, d.h. beide Gene sind an der Merkmalsausprägung beteiligt und es entsteht eine Mischform die vom Aussehen her zwischen den beiden Eltern steht.

Tonkinesen sind also bezüglich des Kontrastes mischerbig. Wie wir oben gesehen haben, sind auch andere Katzenrassen bezüglich verschiedener Merkmale mischerbig. Die Besonderheit bei der Tonkinese ist, dass der Erbgang nicht dominant-rezessiv ist (wo das dominante Merkmal das rezessive überdeckt) sondern intermediär (wo beide Merkmale gleich stark zur Ausprägung kommen).

Verpaart man nun zwei Tonkinesen im Mink Typ (cs/cb) miteinander, so erhält man nach dem oben beschriebenen Spaltungsgesetz folgende Nachkommen: 1/4 (cs/cs) siamfarbig, 2/4 (cs/cb) mit mittlerem Kontrast und 1/4 (cb/cb) burmafarbig.

 

Zusammenfassung

Alle Nachkommen von Tonkinesen sind auch Tonkinesen; niemals Siamesen oder Burmesen. Pointed oder Solid Tonkinesen unterscheiden sich von Mink Tonkinesen in nur einem einzigen Merkmal. Alle andern Merkmale wie Fellqualität, Typ, Ohrengrösse, Augenform, Charakter etc, sind bei Tonkinesen aller drei Farbvariäteten gleich. Die Genetik der Tonkinese ist also nur hinsichtlich des "Maskenfaktors" speziell, bezüglich der restlichen 49'999 Gene ist sie genauso "rein" zu züchten wie alle andern Katzenrassen.

 

Quelle:

-          R. Kleinert, W. Ruppert, F. X. Stratil: mentor Abiturhilfe. Biologie Oberstufe. Genetik: Steuerung und Vererbung von Merkmalen und Eigenschaften. München, 1998.

-          http://www.tonkanesen-von-lenne.de "Die Genetik der Tonkanesen" von Silke Lautz

 

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