| Der folgende Artikel erschien in ähnlicher Form in der Tierwelt Nr. 50/2003, Seite 13 und wird hier mit freundlicher Genehmigung wiedergegeben. Ich habe noch ein paar Bilder zur besseren Illustration hinzugefügt. |
Tonkanesen: Schmusetiger mit Aqua Augen
CharakterDie Tonkanese vereinigt in sich die besten Eigenschaften ihrer Ursprungsrassen, der Siam und der Burma. Sie ist verspielt, menschenbezogen, unerschrocken, neugierig, aufgeschlossen gegenüber andern Tieren, freundlich zu Kindern und immer für einen Schabernack zu haben. Obwohl ihre Stimme meist leiser und feiner ist als die der Siamesen, weiss sie sie gekonnt einzusetzen, um ihre Wünsche kundzutun. Sie liebt es, in der Nähe ihres Menschen zu sein und das Geschehen im Haushalt von einem erhöhten Beobachtungsposten aus zu beobachten, vorzugsweise der Schulter des Menschen. Wenn sie einen gelehrigen Menschen hat, bringt sie ihm auch bei, ihr Lieblingsspielzeug zu werfen, so dass sie es ihm immer wieder zurückbringen kann. Tonkanesen sind sehr anhängliche, aber gleichzeitig auch eigenwillige Katzen, die es verstehen, ihren Menschen um die Samtpfote zu wickeln. Tonkanesen sind auch sehr gesellige Katzen und sollten daher nie alleine gehalten werden, sondern mindestens zu zweit. Die andere Katze muss nicht unbedingt eine Tonkanese sein, doch sollte darauf geachtet werden, dass sie vom Charakter her ähnlich ist, d.h. aktiv, verspielt und gesellig.
StandardDie Tonkanese ist eine mittelgrosse, gutproportionierte Katze mit einem halbfremdartigen Körper, schlank und zugleich muskulös und für ihre Grösse überraschend schwer. Die Beine sind mittellang und schlank, die Hintergliedmassen etwas höher als die vorderen, mit oval geformten Pfoten. Der Schwanz ist mittellang und schlank und endet in einer sanft gerundeten Spitze. Der Kopf ist ein modifizierter Keil mit runden Konturen und einem leichten Stopp. Die Schnauzenpartie ist massiv und gerundet, deutlich vom Gesicht abgesetzt, aber ohne Pinch. Kopf und Ohren bilden ein gleichseitiges Dreieck. Die mittelgrossen Ohren sind nach vorne gerichtet und breit am Ansatz. Das Fell ist kurz, fein, eng anliegend und stark glänzend. Die dunkleren Abzeichen sollten ganz allmählich in die Körperfarbe übergehen. Die mandelförmigen Augen sind leicht schräg gestellt, farblich bevorzugt wird Blaugrün oder Aquamarin; es sind jedoch alle Nuancen zwischen Grün und Hellblau zugelassen. Folgende Farben sind anerkannt: Braun, Blau, Chocolate, Lilac, Rot, Creme und die entsprechenden Torties, Tabbies und Tortie-Tabbies.
Geschichte
AnerkennungDass diese Katze bei uns noch relativ selten ist, hat verschiedene Gründe; zum einen wird die Tonkanese von der FIFé (Fédération Internationale Féline) noch immer als nicht anerkannte Rasse und Farbe geführt. Dies bedeutet, dass man seine Tonkanese nur bei einem freien (nicht der FIFé angeschlossenen) Verein ausstellen kann, da sie auf FIFé-Ausstellungen keine Titel oder Bewertungen erwerben können. Durch viele ausländische Vereine ist die Anerkennung der Tonkanese jedoch inzwischen erfolgt (1965 von der CCA, Canadian Cat Association; 1975 von der CFF, Cat Fanciers Federation als erster amerikanischer Verein und 1991 schliesslich vom GCCF, Governing Council of the Cat Fancy, UK). Zum andern ist die Zucht der Tonkanesen anspruchsvoll und setzt gewisse Grundkenntnisse der Farbgenetik voraus, da nicht nur die verschiedenen Farben, sondern auch die drei typischen, für Tonkanesen charakteristischen Farbtypen, Pointed - Mink - Solid, berücksichtigt werden müssen.
GenetikWie die andern Maskenkatzen (Siam, Burma) gehört auch die Tonkanese zum genetischen System der Albino-Serie. Die charakteristische Mink-Färbung verdankt sie dem Umstand, dass das Gen für Pointed (cs "colored siamese") und das Gen für Solid (cb, "colored burmese") co-dominant sind. Tonkanesen mit mittlerem Kontrast führen nun ein Gen cs und ein Gen cb. Das Zusammenwirken dieser zwei Gene führt auch zu einer Verminderung der Pigmentierung im Auge, so dass diese blau-grün erscheinen. Daraus resultiert nun auch die Schwierigkeit bei der Zucht: verpaart man nämlich zwei Katzen vom Farbtyp Mink (cscb), kann man zwei Kätzchen mit Tonkinesenabzeichen (cscb), eins mit Siamabzeichen (cscs) und eins mit Burmafärbung (cbcb) erwarten. Diese Aufspaltung bezieht sich jedoch nur auf die Farbtypen, die Kätzchen sind nämlich alles Tonkanesen und nicht wie manchmal falsch beschrieben Siamesen oder Burmesen, da sie nämlich abgesehen vom Farbtyp dem Standard der Tonkanesen entsprechen. Da Tonkanesen hell geboren werden, ist es anfangs oft schwierig zu bestimmen, welchem Farbtyp die Katzenbabies entsprechen. Die endgültige Fell- und Augenfarbe ist oft erst mit dem 2. Lebensjahr fertig entwickelt.
Weiterführende Literatur
Internet
Text: Monika Wernli |

Obwohl
golden gefärbte Maskenkatzen in England seit 1800 immer wieder beschrieben
wurden, beginnt die eigentliche Geschichte der Tonkanese um 1930,
als Dr. Joseph Thompson von einer seiner Reisen eine kleine braune
Maskenkatze namens Wong Mau nach Kalifornien mitbrachte. Da sie für
eine Siamkatze mit schlechter Farbe gehalten wurde, verpaarte man
Wong Mau mit einem Siamkater. Im Wurf gab es dann hellere, siamfarbene
Kätzchen und dunklere, welche der Mutter ähnelten. Eines
der dunklen Katerchen wurde dann mit seiner Mutter rückverpaart und
im daraus resultierenden Wurf kamen dann Kätzchen in drei Farbtypen
vor: helle Kätzchen mit dunkler Maske (Pointed oder siamesenfarben)
und tiefblauen Augen, dunkle Kätzchen mit kaum sichtbarer Maske (
